Gewaltfreie Kommunikation

Mit unserer Kommunikationsfähigkeit stehen oder fallen unsere Beziehungen. Das ist der Grund, warum es so wichtig ist, diese stetig zu verbessern. Dennoch haben die meisten Menschen sich noch nie aktiv mit ihrer Kommunikation auseinandergesetzt. Vielleicht ist aus dem Schulunterricht das Vier-Ohren-Modell (Schulz von Thun) bekannt. Die Methode der gewaltfreien Kommunikation (nach Rosenberg) ist in meinen Augen nicht nur hilfreicher, sondern auch unbekannter, sodass ich mit diesem Beitrag die Aufmerksamkeit dafür steigern möchte.

Aufmerksamkeit steigern heißt auch, dass ich mich relativ kurz fassen möchte, denn der Wikipedia-Artikel über Gewaltfreie Kommunikation erklärt die Methode bereits recht gut. Sagt der Artikel zu, so bietet das Buch zum Thema natürlich noch weitaus mehr Details. Das Original ist in Englisch (Nonviolent Communication: A Language of Life), jedoch ist auch eine deutsche Version verfügbar (Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens).

Doch worum geht es genau? Die gewaltfreie Kommunikation ist hauptsächlich für Konflikte bzw. zur Konfliktklärung ausgelegt, also beispielsweise wenn der Mitbewohner ständig für Chaos in der Wohnung sorgt, der Partner uns nicht genügend Zeit widmet oder unser Chef respektlos mit uns umgeht. Allzu häufig kommunizieren wir eher schlecht als recht, sodass sich die Situation entweder nicht bessert oder gar verschlechtert. Vorwürfe wie „Ständig sorgst du für Chaos in der Wohnung“ führen selten zur Lösung des Problems, aber auch etwas freundlichere Sprachversuche wie „Würdest du bitte dafür sorgen, dass die Wohnung einigermaßen ordentlich bleibt?“ führen in vielen Fällen nicht zum Erfolg.

Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf vier Schritten:

  1. Beobachtung
  2. Gefühl
  3. Bedürfnis
  4. Bitte

Die Kommunikation läuft dann grob wie folgt ab: „Wenn ich (Beobachtung) sehe, dann fühle ich (Gefühl), weil ich (Bedürfnis) brauche. Deshalb bitte ich dich um (Bitte)“. Dabei ist es wichtig, möglichst konkret zu bleiben. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

In den letzten Tagen hast du nach dem Rasieren wiederholt deine Barthaare im Waschbecken liegen gelassen (Beobachtung). Das ekelt mich an (Gefühl), weil ich gerne ein sauberes Waschbecken vorfinden möchte, wenn ich mir morgens die Zähne putze (Bedürfnis). Sag mir bitte, ob du bereit bist, deine Barthaare nach dem Rasieren wegzuspülen oder gemeinsam mit mir nach einer Lösung zu suchen (Bitte).

So eine Ausdrucksweise mag zunächst recht „holprig“ oder konstruiert klingen. Das könnte zum einen am Beispiel liegen, denn die gewaltfreie Kommunikation muss nicht unbedingt für jede Kleinigkeit angewendet werden. Das hängt allerdings auch vom Charakter bzw. Verständnis der anderen Person ab. Zum anderen ist diese Kommunikationsform einfach sehr ungewohnt und klingt daher zumindest auf dem Papier recht komisch.

In der Realität ist die gewaltfreie Kommunikation zur Konfliktlösung jedoch sehr mächtig und gibt einem das Gefühl, mehr (positiven) Einfluss auf eine Beziehung ausüben zu können; insbesondere, wenn man zuvor des Öfteren mal „überhört“ wurde. Ich kann daher die ausführliche Lektüre des Wikipedia-Artikels sowie das bereits genannte Buch nur empfehlen.

Wer im Übrigen das eingangs erwähnte Vier-Ohren-Modell noch nicht kennt, dem empfehle ich auch hier die Lektüre des (ausführlichen) Wikipedia-Artikels und/oder des Buches Miteinander reden 1 (Schulz von Thun). Dieses Modell hilft beispielsweise, die Entstehung von Missverständnissen zu verstehen und vorzubeugen.

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