Small Talk, das notwendige Übel?

Small-Talk ist sicherlich ein Thema, welches die Gemüter spaltet: Die einen hassen es und halten es für überflüssig, die anderen haben scheinbar kein Problem damit, sich einen ganzen Abend über mehr oder weniger belanglose Themen zu unterhalten. Der Sinn und Zweck von Small-Talk liegt aber keineswegs nur im Austausch belangloser Informationen.

 

Das Googlen von „Small Talk“ spuckt folgende Definition aus:

Die oberflächliche Unterhaltung über belanglose Themen, die man meist mit Personen führt, die man nicht gut kennt.

Nun drängt sich die Frage auf, wieso man sich über belanglose Themen unterhalten sollte, wenn es doch eigentlich viel spannendere gibt?

Ein Grund ist sicherlich der, dass wir damit unangenehme Situationen vermeiden. Wir möchten vielleicht nicht in Fettnäpfchen treten oder herausfinden, dass unser Gegenüber Meinungen vertritt, welche unseren eigenen gänzlich widersprechen. Letzteres hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die meisten Menschen ihre Meinung als Teil ihres Selbstbilds verstehen und in der Folge eine eher suboptimale Diskussionskultur pflegen. Beides führt dazu, dass wir kontroverse Meinungen nur zögerlich äußern. Dabei wäre gerade der Austausch mit Andersdenkenden nicht nur interessant, sondern auch höchst förderlich für unsere eigene (objektivere) Meinungsbildung. Aber auch Gleichgesinnte lassen sich natürlich nur finden, wenn wir unsere eigenen Meinungen äußern.

Es gibt allerdings auch einen guten Grund, um Small-Talk zu führen: Nämlich, um die andere Person „abzutasten“, und zwar möglichst ohne einen Konflikt zu beginnen. Wenn wir eine fremde Person auf einer Veranstaltung treffen, so werden wir in der Regel ein paar Informationen wie Name, Beruf oder Herkunft austauschen und anschließend zum Small Talk wechseln: Vielleicht reden wir darüber, was sie zu dieser Veranstaltung geführt hat, wie sie das Essen oder Trinken finden und ähnliches. Ohne Frage handelt es sich inhaltlich um recht belanglose Themen; dennoch lernen wir die uns bisher völlig unbekannte Person besser kennen: Wir lernen, wie ihr Gemüt ist, also ob sie eher locker oder ernst ist, ob sie viel oder wenig redet, ob sie fröhlich ist oder gerne meckert. Dabei achten wir neben dem Gesagten auch auf die Körpersprache des Anderen. Dieses Abtasten ist also ein erster Schritt zur Beantwortung der Frage: Wer bist du? Kann ich dir vertrauen? Bist du wohlwollend?

Ist unsere Einschätzung positiv, so trauen wir uns, die andere Person auch bezüglich bedeutungsvollerer Themen abzutasten: Vielleicht bringen wir hier und dort ein paar Meinungen oder Interessen in Form von Kommentaren ein – unser Gegenüber wird bei Interesse auf diese eingehen. Nach einiger Zeit findet sich dann meist ein Thema, welches für beide Personen interessant ist – und bei welchem sich die Gesprächtspartner zumindest in Teilen einig sind.

Small Talk ist somit ein guter und schneller Weg, die andere Person grob einschätzen zu können und bildet in der Regel den ersten Schritt einer jeden Freundschaft – überspringen wir diesen und fangen beispielsweise mit politischen (kontroversen) Meinungen an, so besteht die Gefahr, in eine unangenehme Situation zu gelangen.

Hier noch eine sehr gute ergänzende Erklärung (in englisch).

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