Wundermittel Meditation

Die Bezeichnung Wundermittel ist mittlerweile eher die Kurzform für „absurde Versprechungen, die nicht eingehalten werden“. Im Falle der Meditation ist das anders: Die Liste der positiven Wirkungen der Meditation ist dermaßen lang, dass ein Medikament mit identischen Wirkungen wohl innerhalb kürzester Zeit zum absoluten Kassenschlager mutieren würde.

Also fangen wir doch gleich mal mit besagter Liste von positiven Wirkungen der Meditation an. Alle Wirkungen sind wissenschaftlich nachgewiesen, die Liste basiert auf dieser (englischsprachigen) Quelle.

Kognitive Wirkungen

  • Erhöht die geistige Klarheit / den mentalen Fokus
  • Verbessert die Merk- und Erinnerungsfähigkeit
  • Erhöht die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung
  • Ermöglicht es, Ablenkungen zu erkennen und zu ignorieren
  • Steigert die visuell-räumlichen Fähigkeiten
  • Verbessert die Wahrnehmung unterbewusster Vorgänge
  • Steigert die Kreativität

Emotionale Wirkungen

  • Verringert Sorgen und Ängste
  • Verringert Stress, Einsamkeit und Depressionen
  • Steigert das Selbstwertgefühl und die Selbstakzeptanz
  • Steigert die Widerstandsfähigkeit gegen Schmerz und unglückliche Lebenssituationen
  • Führt zu mehr Optimismus und Gelassenheit
  • Hilft, negative Gewohnheiten zu verhindern (Rauchen, Essstörungen)
  • Steigert das Mitgefühl / Empathie
  • Steigert die eigene Stimmung und die emotionale Intelligenz

Körperliche Wirkungen

  • Verbessert das Immunsystem und den Energielevel
  • Verbessert die Herz- und Atemrate
  • Reduziert hohen Blutdruck
  • Verringert Herz- und Hirnprobleme
  • Schützt gegen Asthma und rheumatische Arthritis
  • Verringert das Risiko für Alzheimer
  • Verringert Symptome des prämenstruellen Syndroms und der Wechseljahre

Obwohl diese Liste schon sehr beeindruckend ist, sind viele weitere positive Wirkungen hier gar nicht aufgeführt.

Bevor wir uns anschauen, wie man meditiert, räumen wir mal schnell noch ein paar Vorurteile aus dem Weg:

  • Aber ist Meditation nicht ein religiöses Ritual? – Nein, Meditation kann unabhängig von Religion durchgeführt werden.
  • Muss ich da nicht so komische „Omm“-Laute von mir geben? – Nein, das ist nur eine bestimmte (Unter-)Form.
  • Muss ich nicht den Lotussitz können? – Nein.
  • Ist das nicht total viel Aufwand? – Nein, auch 10 Minuten täglich helfen.

Wie meditiere ich?

Die bekannteste (und auch sehr einfache) Form der Meditation ist sicherlich die Atemmeditation. Diese Technik ist auch ein guter Einstieg. Eine Meditationssitzung könnte nun wie folgt aussehen:

Wir setzen uns gerade auf einen bequemen Stuhl. Das Sitzen im Schneidersitz ist gar nicht nötig, geht aber auch. Es gibt Meditationsformen für alle Haltungen: Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen. Für Anfänger bietet sich eine sitzende Haltung am besten an, da man sich im Gehen schlechter konzentrieren kann und im Liegen schnell einschläft.

Wir sitzen also gerade auf unserem Stuhl und schließen nun die Augen, damit wir uns besser konzentrieren können. Wir richten nun einfach unsere Aufmerksamkeit auf den Atem. Konkret heißt das, dass wir z. B. die einströmende und ausströmende Luft an der Nase oder die Auf- und Ab-Bewegung des Bauchs wahrnehmen. Meditation besteht also nicht darin, zu versuchen, an nichts zu denken.

Während wir unsere Aufmerksamkeit auf den Atem richten und dort halten, werden nach kurzer Zeit Gedanken auftreten, die unsere Aufmerksamkeit für sich beanspruchen – und zwar ohne dass wir diese Ablenkung bemerken. Erst nach einer bestimmten Zeit merken wir, dass wir mit unserer Aufmerksamkeit ganz woanders sind (in Gedanken), als wir eigentlich sein wollten (nämlich beim Atem). Das kennen wir vom Autofahren: Bei Strecken, die wir häufig fahren, wechseln wir schnell in einen „Autopiloten“, und gehen stattdessen ganz anderen Gedanken nach.

Wann immer wir merken, dass wir mit den Gedanken woanders sind, richten wir unsere Aufmerksamkeit einfach erneut auf den Atem. Es ist sehr wichtig, sich nicht dafür zu verurteilen, die Aufmerksamkeit verloren zu haben. Denn das ist, insbesondere am Anfang, völlig normal und passiert sehr häufig. Wir sollten uns stattdessen etwas „freuen“, dass wir die Ablenkung gemerkt haben, denn nur so schreiten wir voran.

Für Anfänger besteht die ganze Meditationssitzung daraus, ständig von Gedanken abgelenkt zu werden, die Ablenkung zu bemerken und in der Folge die Aufmerksamkeit wieder auf den Atem zu richten, bevor der nächste ablenkende Gedanke kommt.

Erste Erfolge

Nach einer Weile regelmäßiger Meditation werden die ablenkenden Gedanken immer weniger. Gleichzeitig bemerken wir eine Ablenkung wesentlich schneller, sodass der zeitliche Anteil, in der unsere Aufmerksamkeit tatsächlich beim Atem ist, immer größer wird.

Der wahre Nutzen für unsere persönliche Entwicklung kommt dann zum Vorschein, wenn wir aufgrund regelmäßiger Meditationssitzungen auch im Alltag bewusster werden. Das passiert nach einiger Zeit ganz automatisch, wir können den Prozess aber beschleunigen, indem wir auch im Alltag bewusst darauf achten, mit unserer Aufmerksamkeit beim Atem oder auch „bei der Sache“ zu sein. Häufig wird das auch mit „Im Hier und Jetzt sein“ ausgedrückt. Vielleicht hat der ein oder andere schon einmal diese Parabel gelesen, die genau auf diesen Punkt abzielt:

Einige Schüler fragen ihren Zen-Meister
warum er so zufrieden und glücklich ist:

Der Zen-Meister antwortet:
“Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich
gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann
sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich liebe, dann liebe ich …”

“Das tun wir auch, antworteten seine
Schüler, aber was machst Du darüber
hinaus?” fragten Sie erneut.
Der Meister erwiderte:
“Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich
gehe, dann gehe ich, wenn ich … ”

Wieder sagten seine Schüler:
“Aber das tun wir doch auch Meister!”
Er aber sagte zu seinen Schülern:
“Nein – wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn
ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.”

Die meisten Menschen schweifen auch im Alltag mit ihren Gedanken ab – wie in der Parabel sind wir physisch noch am Essen, mit den Gedanken aber schon wieder bei der Arbeit. Oder wir denken während des Essens über das Telefongespräch nach, welches wir heute morgen geführt haben.

Der Turboboost für unsere Entwicklung

Sobald wir es schaffen, auch im Alltag weniger mit den Gedanken abzuschweifen, reduzieren wir unnötige Sorgen und Ängste und können den Moment genießen. Insbesondere können wir durch die bessere „Gedankenkontrolle“ die Gewohnheiten ändern, die in der Regel auf „Autopilot“ laufen (während die Gedanken woanders sind). Dazu gehören beispielsweise automatische Gespräche bzw. Antworten („Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ – „Danke, gleichfalls!“), der nebenbei gegessene Schokoriegel, reflexartige Reaktionen in Bezug auf bestimmte Situationen oder Themen usw.

Sobald wir auch unsere Gedanken selbst und sogar unsere Gefühle bewusst im Alltag erkennen, sind wir in der Lage, in schwierigen Situationen einzugreifen und Schritt für Schritt Änderungen vorzunehmen: Der Choleriker merkt bereits während der Situation seine ansteigende Wut und kann direkt eingreifen. Der Kaufsüchtige merkt im Laden, dass sein Gehirn gerade versucht, einen potentiellen Kauf schönzureden. Der Student erkennt während des Surfens deutlich, dass er das Surfen gerade als Ablenkung benutzt, um nicht an seiner Hausarbeit weiterschreiben zu müssen.

Einer Person mit Vorurteilen wird Unwohl, weil sich ein Schwarzer neben ihn in den Zug gesetzt hat. Er nimmt dieses Unwohlsein bewusst wahr und realisiert, dass kein rationaler Grund dafür besteht. Im Verlaufe mehrerer Begegnungen kann er diese Reaktion bzw. sein Vorurteil beheben.

Als Folge einer regelmäßigen Meditationspraxis sind viele Gedanken, Motivationen und Gefühle des Alltags, die zuvor nur sehr schwammig oder gar im Nachhinein wahrgenommen wurden, nun in jedem Moment deutlich erkennbar. Das gilt nicht nur für die oben erläuterten Extremfälle, sondern auch für wesentlich harmlosere Situationen. Dies ermöglicht es, unsere eigene Persönlichkeit rapide in die gewünschte Richtung zu entwickeln und die Person zu werden, die wir sein wollen.

 

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