Leben verbessern – Wo fange ich an?

Du hast dich also entschieden, dein Leben in die eigene Hand zu nehmen und aktiv auf die Dinge hinzuarbeiten, die du erreichen möchtest. Super! Nur: Wo fange ich an?

Oder vielleicht bist du noch nicht ganz davon überzeugt, etwas zu verändern – die Motivation fehlt. In beiden Fällen hilft es, sich erst einmal klar zu machen, was unter „Leben verbessern“ zu verstehen ist. Nur wenn wir ein klares Ziel vor Augen haben, können wir motiviert auf dieses hinarbeiten.

Ich definiere das Vorhaben „Leben verbessern“ jetzt einfach mal wie folgt: Das Steigern des eigenen, langfristigen Glücks durch gezieltes Handeln. Klingt eigentlich recht harmlos, und das ist es auch. Im Prinzip sind wir alle schon dabei, unser Leben zu verbessern, wenn wir z. B. in die Schule gehen. Oder wenn wir eine Ausbildung machen oder ein Studium absolvieren. Wir erwarten uns davon später ein besseres Einkommen, was wiederum zu mehr Freiheiten und einem höheren Lebensstandard und so zu einem glücklicheren Leben führt. So zumindest die Theorie.

Aber das ist natürlich längst nicht die einzige oder beste Möglichkeit, um langfristiges Glück zu erreichen – da geht noch eine ganze Menge mehr. Um die effektivsten Wege dafür zu finden, sollten wir am besten direkt an der Wurzel anpacken. Schauen wir doch mal, was Menschen glücklich macht.

Was sind die „Glücksfaktoren“?

Ohne Zweifel gehören sämtliche Arten von Beziehungen zu den Dingen, die uns glücklich machen; auch wenn einige jetzt in Hinblick auf vergangene Partnerschaften Einspruch einlegen wollen. Genau das wäre schon die erste Möglichkeit, unser Leben zu verbessern: Durch das Erlernen (und Anwenden) von Kommunikations- und Konflikttechniken können wir diese Partnerschaften besser gestalten. Natürlich profitieren auch sämtliche weiteren Beziehungen, also Freundschaften, die Beziehung zur Familie, zu Arbeitskollegen etc. von verbesserten Kommunikationstechniken. Und obwohl der Zusammenhang zwischen Beziehungen und besseren Kommunikationsfähigkeiten eigentlich gut nachvollziehbar ist, lernt kaum einer freiwillig etwas über Kommunikation.

Auch unsere Lebensphilosophie (bzw. Gedankenwelt) hat einen riesigen Einfluss auf unser Glück. Kennt ihr die Menschen, die ständig nur am meckern sind und alles schlechtreden? Kennt ihr auch die Menschen, die generell fröhlich und gut gelaunt durchs Leben gehen? Letztere Einstellung führt natürlich zu einem wesentlich positiverem Lebensgefühl. Insgesamt haben unsere persönliche Einstellung, Meinungen und Erfahrungen massiven Einfluss auf unser Glück, denn alle Erlebnisse der Außenwelt werden durch unseren inneren Filter, welcher durch eben jene Dinge geprägt wird, wahrgenommen. Diese subjektive Wahrnehmung beeinflusst wiederum unsere Reaktion. Es ist also sehr sinnvoll, die eigene Lebensphilosophie bzw. Gedankenwelt in den Griff zu bekommen, indem z. B. Prägungen aus der Kindheit reflektiert und überarbeitet werden. Übrigens: Dieser Aspekt nimmt eine gewisse Sonderstellung ein, weil er zusätzlich die meisten anderen Punkte indirekt beeinflusst: Beispielsweise sind positive Menschen (die wir bevorzugt in unserem Freundeskreis haben möchten) ebenfalls lieber mit Personen befreundet, die eine positive Lebensphilosophie haben. Durch die Verbesserung des eigenen Charakters verbessern wir also auch indirekt unsere Beziehungen.

Die eigene, gute Gesundheit ist ein Aspekt, der immer wieder als bedeutendes Ziel für das Alter und als wichtiger Bestandteil des Glücks genannt wird. Die meisten Menschen besitzen dennoch keine nennenswerten Kenntnisse über Ernährung oder sind nicht einmal in der Lage, etwas aufwendigere Gerichte zu kochen. Teilweise fehlt auch die Motivation, weil das Alter so weit in der Zukunft liegt und der gesundheitliche Nutzen einer guten Ernährung nicht unmittelbar, sondern nur langfristig bemerkt wird.

Der Arbeitsplatz ist für viele von uns in erster Linie dafür da, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Dennoch möchten wir gerne einer möglichst erfüllenden Tätigkeit nachgehen. Dahinter steckt häufig der Wunsch, etwas „Größeres“ zu schaffen, die Welt voranbringen zu wollen oder ihr etwas Positives zu hinterlassen. Allgemeiner formuliert möchten wir uns selbst verwirklichen und unser Potential entfalten. Während wir im Beruf meist weniger Spielraum dafür haben, kommen hier beispielsweise ehrenamtliche Tätigkeiten oder Hobbies in Frage.

Zuletzt spielen auch Freiheit, Sicherheit, Unterkunft und weitere allgemeine Bedürfnisse eine Rolle für unser Glücksempfinden. Die Bedürfnisse nach Sicherheit und Unterkunft sind (in Deutschland bzw. Europa) in der Regel erfüllt, während die Freiheit eher eingeschränkt ist. Beispielsweise können wir über große Teile unserer Zeit nicht entscheiden (Beruf) oder wir müssen sehr genau auf unsere Finanzen achten (eingeschränkte finanzielle Freiheit). Natürlich können wir auch hier was ändern, indem wir lernen, schlauer mit Geld umzugehen, andere Arbeitskonditionen verhandeln oder gar freiberuflich/selbstständig werden.

Wie gehen wir vor, um unser Glück zu steigern?

Wir wissen jetzt also grob, welche Aspekte unser Glück ausmachen und wie wir diese beeinflussen können. Zusammengefasst sieht das in etwa so aus:

aspekte_glueck

 

Oben stehen die Glücksfaktoren, unten jeweils mögliche Einflussmöglichkeiten. Die Lebensphilosophie, hier allgemeiner als „Persönlichkeit“ gefasst, steht zentral – sie hat den größten Einfluss auf unser Glück, weil sie sowohl direkt, als auch indirekt über die anderen Aspekte einwirkt.

Wollen wir nun zur Tat schreiten, benötigen wir folgende Dinge (unabhängig davon, welchen Aspekt wir verbessern wollen):

  • Den Willen bzw. die Motivation zur Verbesserung
  • Das theoretische Wissen
  • Die Werkzeuge, um das Wissen in der Praxis umsetzen zu können

Glücklicherweise sind die Punkte 1 und 3 für alle Faktoren sehr ähnlich, sodass wir uns je Themenbereich immer nur das neue Wissen aneignen müssen. Schauen wir uns das am Beispiel Kommunikation an:

  • Motivation (durch Verdeutlichen des Ziels): Bessere Kommunikation führt zu besseren Beziehungen und damit zu mehr Glück
  • Wissen erlangen: Diverse Kommunikationstechniken erlernen
  • Umsetzung mithilfe der Werkzeuge: Selbstreflexion, Meditation

Moment, wieso sind die Werkzeuge hier Selbstreflexion und Meditation? Ganz einfach: Stellen wir uns vor, wir haben Dutzende Bücher über Kommunikation gelesen – wir sind förmlich Experten. Nun müssen wir dieses Wissen aber auch umsetzen. Tun wir das nicht, bringt uns all unser Wissen nichts.

Werden wir bei Streitgesprächen mit anderen Menschen sehr emotional, so hat sich das mit rationalem Denken und wohlüberlegtem Handeln erst einmal erledigt. Unser neues Wissen können wir in diesem Zustand ganz sicher nicht umsetzen. In diesem Fall müssen wir zunächst unsere Emotionen unter Kontrolle bekommen, wofür Meditation ein sehr effektives Mittel ist.

Selbst wenn wir unsere Emotionen unter Kontrolle haben, so müssen wir während des Streitgesprächs aktiv in unseren Denkprozess eingreifen, um die alten, gewohnten Kommunikationsmuster durch die neuen Techniken zu ersetzen. Das ist keine einfache Aufgabe und erfordert ein gutes Maß an Selbstwahrnehmung, welche durch Meditation enorm gesteigert werden kann.

Die Selbstreflexion findet jeweils immer erst nach dem Gespräch statt, sodass wir hier lediglich noch einmal darüber nachdenken können, was gut funktioniert hat und was wir nächstes Mal noch verbessern müssen. Sie ist zwar auch ein wichtiges Mittel, kann die Meditation allerdings nicht ersetzen.

Wo fange ich an?

Nachdem wir nun sowohl die Glücksfaktoren samt Einflussmöglichkeiten als auch die konkreten Schritte zur Besserung kennen (Ziel verdeutlichen, Wissen erlangen, Umsetzen mithilfe der Werkzeuge), bleibt nur eins: Wir müssen uns zunächst für einen Bereich entscheiden. Natürlich ist es sinnvoll, alle Bereiche zu verbessern; dies sollten wir jedoch nacheinander tun, um uns jeweils voll und ganz auf einen einzelnen Aspekt konzentrieren zu können. Dadurch überfordern wir uns nicht und können schnell erste Ergebnisse feststellen, sodass wir motiviert bleiben.

Oder wir erlernen zunächst die wichtigsten Werkzeuge wie Selbstreflexion und Meditation (die ja für alle Themenbereiche relevant sind) und entscheiden uns danach erst für ein Thema. Ich halte die Verbesserung der Persönlichkeit an sich als das effektivste Mittel, um das eigene Leben in seiner Gesamtheit schnell in den Griff zu bekommen. Dieser Weg ist allerdings auch schwieriger als die Beschäftigung mit anderen Aspekten, da hier eine direkte, intensive Konfrontation mit den eigenen Ansichten, Ängsten, Wünschen usw. erfolgt. Die Änderung dieser Dinge benötigt viel Zeit, Aufwand und Überwindung (man denke nur an die Überwindung einer Spinnenphobie). Die positiven Wirkungen sind es aber wert – und halten ein Leben lang.

Photo by frank-hl

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